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Die Ausstellungsreihe Umtrieb bringt Fotos und Performance unter die Haut
| nordClick/kn vom 22.07.2003 01:00 |

Massage als Kommunikation: In einer Performance zeigen die drei Fotografinnen Vilma Gapseviciute, Irma Kravcovaite und Solveiga Stankeviciute nochmals den Entstehungsprozess ihrer Bilder. Foto bevis

Das Wortspiel des Ausstellungstitels Massage as Message erinnert an den Medientheoretiker Marshall McLuhan. "Das Medium ist die Message", hatte der verkündet und ergänzt, dass es dadurch massiere. Die litauischen Fotografinnen Vilma Gapseviciute, Irma Kravcovaite und Solveiga Stankeviciute nehmen das wörtlich und fragen, welcher Art die Berührung sei, mit der Kunst uns "an-greift". Sie haben sich gegenseitig massiert und dabei fotografiert. Die Fotos wirken mit ihrer weichzeichnenden Bewegungsunschärfe, als hätte David Hamilton "zärtliche Kusinen" in der verhaltenen Erotik der 70er abgelichtet. Hände gehen an Körperstellen, die als erogen gelten. Was aber, wenn der ganze Körper im Grunde eine erogene Zone ist, empfänglich für die sehr persönlichen Nachrichten, die Hände sprechen und die die Haut wiederum den massierenden Fingern mitteilt, sensitiv für Kunst?

Massage wird zur Kommunikation. Und dass man diesen intimen Kontakt auf Zelluloid bannt, spiegelt nur entfernt den voyeuristischen Blick, den Kunst letztlich immer hat, weil dort ein Subjekt sich etwas zum Objekt der Darstellung macht. In der Performance mit einer professionellen Masseusse, die nach meditativer Selbstversenkung das öl auf die Hände gießt, um einem männlichen Körper die Lust der Entspannung als Nachricht zu senden, wird deutlich, dass Körper an sich schon Kunstwerke sind.

So dokumentarisch kühl der Blick der drei Fotografinnen ist, die in der Performance den Entstehungsprozess ihrer Bilder nochmals zeigen - die Peepshow der Berührung findet auf einem Teller statt, der immer noch den Rand der Intimität behält. Hinter die kann niemand schauen, sie bleibt eine Zweisamkeit, selbst im öffentlichen Ausstellungsraum, den die Reihe "Umtrieb" in der Lutherstraße für diese eigentümlich changierende Erfahrung eröffnet. ögyr

Noch heute, 18 bis 20 Uhr, in der Lutherstraße 9

Von Jörg Meyer